Rittmeister Max von Stephanitz beobachtete während eines Manövers einen hütenden Schäfer mit seinem Hund. Was er zur Gesicht bekam, beeindruckte ihm. Hunde die durch einen befehl oder eine Bewegung die Schafe im griff hatten und diese Schafe von einer nach der anderen Seite begleiteten. Max wollte unbedingt mehr über diese Hunde wissen. Die Hunde die er gesehen hatte, hatten verschiedene Farben. Es waren stockhaarige, langhaarige und kurzhaarige Hunde mit grauen, schwarzen, gelbes oder weißes Fell. In 1882 würden auf einer Ausstellung in Hannover zwei Deutsche Schäferhunde ausgestellt. Der weiß/graue Rüde Kirass und der weiße Rüde Greiff geboren in 1879. In dem 19. Jahrhundert war es ganz normal, daß es verschieden Farben gab. Die Schäferhunde aus diesem Zeitalter waren relativ klein und grob gebaut. Der Zwinger, der von Max von Stephanitz, errichtet würde in der nähe von Grafath, hieß: "Haholz-Wieshof".
Er erkannte, daß der Schäfer einen zuverlässigen, witterungsbeständigen und belastbaren Hund benötigt. Abgesehen davon, daß weiße beziehungsweise helle Hunde bevorzugt wurden, weil sie in der Dämmerung besser von angreifenden Wölfen zu unterscheiden waren, war die Leistungsbereitschaft des Hundes das Hauptkriterium für den Schäfer.
Anlässlich einer Hundeausstellung wurden 1899 in Karlsruhe auch verschiedene Hirtenhunde ausgestellt. Einer der ausgestellten Hunde hieß Hektor von Linksrhein. Max von Stephanitz war von diesem Hund so angetan, dass er ihn auf der Stelle kaufte. Er nannte seinen Hund aber ab sofort Horand von Grafrath. Der Großvater von Horand war der Rüde Greif (geboren 1879) und dieser Hund war WEIß
Um seine Vorstellungen von Aussehen und Wesen des Deutschen Schäferhundes zu verwirklichen, gründete von Stephanitz den " Verein für Deutsche Schäferhunde SV " Horand von Grafrath führte später als Stammvater das Zuchtbuch dieses Vereines mit der Zuchtbuchnummer SZ1 an. Damit war der Grundstein für das Erscheinungsbild des heutigen Deutschen Schäferhundes gelegt.
Horand hinterließ zahlreiche Nachkommen, von denen viele seine weißen Gene bis in die heutige Zeit vererbt haben. Auch sein berühmter Sohn Champion Hektor von Schwaben kam aus einer beinahe gänzlich weißen Linie. 1913 wurde Beno von der Seewiese geboren, der als erster weißer Deutscher Schäferhund in das Zuchtbuch des SV eingetragen wurde.
Die ersten Jahre der Reinzucht des Deutschen Schäferhundes wurden, laut führenden Kynologen durch etwas 30 Hunde entscheidend beeinflußt, wovon 18 regelmäßig für weiße Nachkommen sorgten. Daher ist auch unbestritten, daß die Farbe weiß zu Beginn immer wieder auftrat. In den alten Büchern findet man vielfach Abbildungen von "weißen Deutschen Schäferhunden".
1933 wurde nicht nur politisch, sondern auch für die Weißen ein Schicksalsjahr. Bis heute ist nicht restlos geklärt, was Rittmeister von Stephanitz dazu bewog, zuzustimmen, die Farbe weiß aus dem Standard zu streichen und fortan nicht mehr zur Zucht zuzulassen. Zwar hat Max von Stephanitz nie einen Hehl daraus gemacht, daß er an einer einheitlichen Farbe, sei es schwarz oder weiß, keinen Gefallen finde. Doch seine Züchterischen Leitmotive waren stets:
Kein guter Hund kann eine schlechte Farbe haben.
Die Farbe hat keinen Einfluß auf die Gebrauchstüchtigkeit des Hundes.
Gebrauchstüchtigkeit ist das einzige Kriterium für Schönheit.
Trotzdem wurden die weißen Hunde 1933 endgültig von der Zucht ausgeschlossen.
Zum Glück ließen sich Züchter in Amerika und Kanada von diesem Verbot nicht beeindrucken und bewahrten diese wundervollen Hunde vor dem Aussterben. mehr noch: Besonders durch die Rin-Tin-Tin-Filme wuchs die Popularität dieser edlen Hunde und schließlich wurden Meinungen laut, daß es sich hierbei um eine eigenständige Rasse handelt. Doch in den Vorständen der etablierten Vereine vertat man die Auffassung, daß es sich hierbei um Deutsche Schäferhunde handelt. Lediglich mit weißer Farbe.
Erst nach fast vierzig Jahren kamen die Weißen Schäferhunde auf den europäischen Kontinent zurück. Im Jahr 1972 begann man in der Schweiz mit der Reinzucht von Weißen Schäferhunden. In seine ursprüngliche Heimat Deutschland kam der Weiße erst 1982.
Mit dem Zuchtpaar Champion von Kron und Krons Rani von Finn wurde dort die organisierte Reinzucht begonnen. In Österreich werden Weiße Schäferhunde seit 1989 gezüchtet.
Etwas kurios ist die Entstehung des Namens dieser Rasse. In Amerika und Kanada als Weißer Deutscher Schäferhund bekannt, stieß der Name bei den Offiziellen des SV auf Ablehnung. Deshalb wurden die Hunde zunächst in "Amerikanisch-Canadische Weisse Schäferhunde" umbenannt. Mit diesem Namen wollte man die internationale Anerkennung der Rasse durch die FCI (Federation Cynologique International - Weltorganisation für das Hundewesen) erreichen. Eine Anerkennung unter diesem Namen ist aber nicht möglich, da weder der Amerikanische, noch der Kanadische Kennel-Club Mitglieder der FCI sind. Und nur das Ursprungsland kann einen Antrag auf Anerkennung stellen.
Von seinen deutschen „Verwandten" hat sich der Weißer Deutscher Schäferhund im Laufe der Jahrzehnte anatomisch und wesensmäßig deutlich entfernt. Deshalb ist er seit 1991 in der Schweiz als neue Rasse unter dem Namen „Weißer Deutscher Schäferhund" anerkannt. Holland, Dänemark, Schweden, Finnland und Tschechien folgten diesem Beispiel und registrieren heute ebenfalls Weiße Deutsche Schäferhunde.
Am 26. Juni 1999 erfolgte in Österreich die nationale Anerkennung des Weißen Deutschen Schäferhundes als eigenständige Rasse durch den Österreichischen Kynologenverband (ÖKV).
Erscheinungsbild und Charakter des Weißen Deutschen SchäferhundesDer Weiße Deutsche Schäferhund zeichnet sich durch viel Adel, Temperament und Persönlichkeit aus. Er erweckt den Eindruck eines kräftigen, lebhaften, gut bemuskelten und wohl proportionierten Tieres, wobei der Hund im länglichen Rechteckformat gebaut sein soll. Er ist aufmerksam, spielfreudig, intelligent und hat einen überdurchschnittlichen Spürsinn. Er ist ein idealer Gebrauchshund schlechthin und eignet sich als Familien-, Wach-, Schutz-, Fährten-, Rettungs-, Lawinen-, Such- oder Diensthund gleichermaßen. Hier sei erwähnt, daß selbst führende Blindenhund-Schulen die Vorteile des Weißen Deutschen Schäferhundes erkannten und einige Hunde mit großem Erfolg als Blindenführhund ausgebildet haben. Seine Intelligenz und Einsatzfreude ermöglicht es ihm, alle an ihn gestellten Anforderungen in hervorragendem Maße zu erfüllen, sofern er für die von ihm abverlangten Tätigkeiten entsprechend geschult wurde.
Der Weiße Deutsche Schäferhund bekommt seine natürliche Schönheit in die Wiege gelegt. Weder Rute noch Ohren brauchen kupiert werden, auch die Fellpflege ist keine langwierige und kostspielige Sache, denn sein weißes Fell reinigt sich auf natürliche Weise. Gutes Futter, viel Bewegung, Zuneigung und Akzeptanz sind alles, was ein Weißer Deutscher Schäferhund braucht, um in guter Verfassung zu bleiben. Markanter, edler Kopf, deutlich maskulin bzw. feminin, nicht sehr ausgeprägter Stop, gut eingesetzte, möglichst dunkle Augen, kräftiges Scherengebiß, vollzahnig mit möglichst dunklen Lefzen, gut aufgesetzter Hals mit gutem Widerrist, schräge Schulter, Vorhand und Hinterhand gut gewinkelt mit raumgreifenden Gängen, kurze kompakte Pfoten mit möglichst dunklen Krallen, gerader, fester Rücken, Rute möglichst buschig, säbelförmig gebogen, sind die hervorstechendsten Merkmale dieser Rasse.
Jeder Weißer Deutscher Schäferhund sollte sich durch viel Herz, Furchtlosigkeit und Selbstvertrauen auszeichnen. Eine natürliche Zurückhaltung gegenüber Fremden ist ihm angeboren, er sollte aber niemals scheu oder furchtsam sein. Die Liebe zu seinem Herrn, verbunden mit einer fast rührigen Kinderliebe, machen ihn zum idealen Familienhund, der nichts sehnlicher wünscht als in seiner Familie aufgenommen und akzeptiert zu werden. Bei der Arbeit ist er willig und leistungsbereit, sein sensibles Wesen erfordert Erfahrung und Einfühlungsvermögen seines "Rudelführers", speziell wenn Leistungserfolge erwartet werden. Nervosität oder Aggressivität sind abzulehnen und entsprechen nicht dem Zuchtziel.